Hallo lieber Mensch
Willkommen auf meinem persönlichen Blog.
Hier findest du kurze Texte, die ich alle selbst geschrieben habe.
Viel Spaß beim Stöbern wünscht dir
Klara
Am meisten Angst beim Schreiben macht mir die Wand, vor der ich meist ganz plötzlich stehe: Ich fange an, ich gehe fort, und es baut sich vor mir eine Mauer aus unendlich dicken Zweifeln auf – oder müsste es heißen: Diese Mauer war schon immer da, anfangs noch klein, und mit jedem Mal, das ich sie nicht überquert habe, hat jemand mir nicht wohl Gesonnenes diese Mauer verdickt und erhöht. Und dahinter liegen unberührt (aber wahrscheinlich gar nicht so friedlich) die Ideen und Wörter, die ich brauche. Es gilt jetzt: Die Mauer abzubauen; ich werde mit aller Vorsicht jeden Ziegel einzeln entfernen müssen und davon nicht ablassen – so lange, bis sich all die Orte auftun, an die ich nicht zu reisen wage, – bis ich all den Hüllen begegne, die ich anfüllen kann mit klugem Leben und leiser Trauer. Es sollen sich Felder auftun so unendlich weit wie meine Mauer noch dick ist. Und irgendwann werden sich auch darüber die Dinge ausgießen – und ich werde endlich, endlich wieder aus meiner Haut können.
Also wieder los und Gedanken einfangen. Wer weiß, wohin das führt; ich weiß es selbst nicht. Niemand kann mir erzählen, man könne nicht parallel denken; es passiert alles gleichzeitig und es steht nur ein Gedanke vor den anderen und ist sichtbar, dahinter warten schon andere und eigentlich stapelt sich alles und passiert hundertfach und übereinander – und man hat das Gebäude wieder nicht halten können vor seinem Vergehen – und ja, so sieht es aus in meinem Kopf und in tausend anderen und wir können doch niemals alles abbilden und dann auch noch originalgetreu. Vielleicht so herum: Mit der Sprache können wir einen Gedanken formen, aber nicht umgekehrt, weil es für genau dieses Bild in meinem Kopf gar kein Wort gibt; weil es für dich schon ganz anders ist, denn dein Ich hängt in einem ganz anderen Netz als meins, wir können uns so ähnlich nicht sein: Deine Welt-Fragmente sind ganz, ganz andere.
Ich komme nach Hause
Im Treppenhaus lasse ich das Licht an
Die Schatten sind vor mir da und rufen:
“Du hast wieder deine Spuren hinterlassen!”
Beschämenderweise habe ich zuvor das Lichtes des Mondes mit kleinen Wölkchen getrübt
Und dann mit einem All-umfassenden Ruck die Nacht früh beendet
“Nanu?” – hat sie dann gefragt
Und Müdigkeit mit Reue über mich versiebt
Es ist trotzdem gut, denke ich.Ich beschloss, zweidimensional zu werden.
Ich konnte mich beliebig eng drehen und wenden.
Ich konnte mich – als Strich in der Welt – stopfen in die kleinste Lücke.Man strich mir über den schmalen Rücken:
Zu glatt, nicht liebenswürdig.
Daran blieb ja niemand hängen.
Fiel ich hin, war ich nicht mehr als eine Stolperfalle.
Daran blieb dann jeder hängen.Ich wurde verdammt abstrakt.
Und so absolut platt.
Ich war nur noch Kante.Irgendwann hat mich jemand versehentlich angeknackt.
Dabei ist – so wollte es der Zufall -:
Eine etwas runde Ecke entstanden.Die wurde mit der Zeit weicher.
Ich wurde zum Handschmeichler.
Ich ließ mich streicheln
Und bekam meine höhere Dimension zurück.Ehemals Erde
Wir sind nicht mehr als eine Ware und Geld.
Wir wissen wenig aus Neugier; wir stapeln Geschichten und Ideen in unser Hirn, randvoll, wir spucken Teile davon wieder aus, weg damit, kaum reflektiert – zum Schluss halten wir dann ein Papier in der Hand:
Wir zeichnen uns aus, sie kaufen uns ein, und schon bald vergessen wir, teuer zu sein.Und rasende Reifen tragen uns fort: Nur kreischend kommen wir zum Stehen. Manchmal fliegen wir auch, in lockende Hände, sie setzen grinsend Klammern um unser Herz – und wir merken nicht, wie wir darin vergehen.
Wir brauchen tausend Meilen und mehr, wir rauschen durchs All, doch im Verlangen nach Heimat bleiben wir leer. Unsere Träume sollen wir nur der Erfüllung entnehmen und aus unseren Gräbern ein großer Geist nur entstehen.
Vielleicht weinen wir irgendwann und brechen entzwei, gespalten vom Beil der Unmöglichkeit, zerdrückt von Schulden und der Sehnsucht nach Wärme.
Vielleicht aber hinterlassen wir auch nur Verzehrtes, ein elendig schwelendes Rund in der Zeit:
Ehemals Erde.